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07.09.2012: Kressbronn geht ein Licht auf

Ungewöhnlich: Florian Graf, Stipendiat der ZF Kunststiftung, baut einen Leuchtturm im Hafen von Gohren. 

Von Anton Fuchsloch 

Kressbronn: Ein Leuchtturm im Hafen von Ultramarin in Gohren - der ein oder andere wird sich in den vergangenen Tagen verwundert die Augen gerieben haben. Florian Graf, Stipendiat der ZF Kunststiftung, legt letzte Hand an seinen Leuchtturm. Das acht Meter hohe hölzerne Gebilde steht fertig gezimmert im Hafen von Ultramarin in Gohren und wartet auf seine Wasserung. Diese soll am Samstag, 8. September, stattfinden.

Der auf einem Ponton fest montierte Leuchtturm soll dann von einem Arbeitsschiff des Technischen Hilfswerks (THW) nach Friedrichshafen geschleppt werden. Wie der Künstler Florian Graf und die Geschäftsführerin der ZF Kunststiftung, Regina Michel, sagten, dürfte das Gespann etwa ab 10 Uhr vor der Uferpromenade ankommen und eine Weile auf dem See -herumgeistern-.

Ein halbes Jahr hat der Schweizer Künstler als Stipendiat der ZF Kunststiftung im Turm des Zeppelin Museums darüber nachgesonnen, was er der Stadt hinterlassen könnte: ein schwimmender Leuchtturm. Den sechs mal acht Meter großen Ponton, auf dem der Leuchtturm sicher montiert wird, hat Ultramarin Meichle + Mohr zur Verfügung gestellt. Auf ihrem Areal in Gohren haben die Zimmerleute von der Firma Heinzelmann aus Friedrichshafen das acht Meter hohe hölzerne Gebilde gezimmert. Da steht ein nach architektonischen Prinzipien (Graf hat schließlich Architektur an der ETH Zürich studiert) wohl proportioniert geformter, nach Zimmermannskunst fest gefügter Turm, dessen vier Seiten sich wie eine Pyramide nach oben verjüngen.

Weil die Aktion das Budget weit übersteigt, hat Michel zahlreiche Sponsoren mit ins Boot geholt. Unter anderem engagieren sich die Zeppelin Stiftung, die Stiftung Pro Helvetia und die Stadt Basel, wo der Künstler 1980 geboren wurde und heute lebt und arbeitet. Florian Graf wohnte als Stipendiat der ZF Kunststiftung von Januar bis Juni im Museumsturm und hatte dabei ausgiebig Gelegenheit, aus dem Fenster zu schauen, das -spektakuläre Lichtspiel des Bodensees- auf sich wirken zu lassen, die Stimmungen einzufangen, die funkelnden Lichter der Häuser und die blinkenden Signale der Schiffe zu bestaunen. Am Ende hatte er die zündende Idee, einen Leuchtturm als ortsspezifisches Kunstobjekt auf Wanderschaft gehen zu lassen. -Ghost Light Light House- (frei übersetzt: ein herumgeisternder Leuchtturm) nennt er sein Projekt und verbindet den Titel mit einem Wortspiel. Light bedeute auf englisch sowohl Licht wie leicht.

Als studierter Architekt hat Graf zwar eine ausgesprochene Affinität zu Bauwerken und verfügt über das entsprechende Know-how. Doch bauen ist nicht seins. Er fühlt sich eher zur Poesie und zum Wortspiel hingezogen. -Wenn ein schweres Haus leicht wird und mit seinem Licht auf Reise geht, entwickelt sich eine poetische Kraft, die hoffentlich Dialoge entfacht-, heißt es in seiner Beschreibung des Projekts. Ist die Aktion am 18. September zu Ende, wird der Leuchtturm abgebaut und ins Zeppelin Museum verfrachtet. Wie das geschehen soll, das heißt wie die acht Meter hohe Holzkonstruktion in den Grenzraum passt, darauf ist selbst Regina Michel gespannt. Auf jeden Fall ist die Präsentation fester Bestandteil der Aktion. Kunstfreunde haben ab dem 27. September die Gelegenheit, das Bauwerk im Grenzraum des Zeppelin Museums samt Dokumentation seines Entstehungsprozesses und seiner Wasserreise zu bestaunen.

Die Auflagen des Schifffahrtsamtes und der Wasserschutzpolizei sowie die Kosten haben den auf mehr als eine Woche angelegten Fahrplan des Leuchtturms vorerst auf die eine Fahrt am 8. September schrumpfen lassen. Das mit dem Ponton weit über zwei Tonnen schwere Gebilde, dessen Aufbau wie ein Segel wirkt, ist mit einem Motorboot nur schwer manövrierbar und noch schwerer sicher zu verankern. Auf Letzteres hat der Künstler ganz verzichtet, will aber nicht ausschließen, dass sein Turm in den kommenden Wochen herumgeistert.

-Sicher ist gar nichts-, sagt Graf. Nur die Ausstellungseröffnung am 27. September zum Thema -Ghost Light. Light House-. Zumindest der Titel und die Redner der Vernissage stehen fest: Die Direktorin des Zeppelin Museums, Dr. Ursula Zeller, die Geschäftsführerin der ZF Kunststiftung Regina Michel und Dr. Mechthild Widrich vom Institut für Geschichte und Theorie der Architektur der ETH Zürich. Sie wird die Laudatio auf Graf halten. Die Ausstellung dauert bis 4. November.

(Erschienen: Schwäbische Zeitung 05.09.2012 11:15)

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