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09.04.2008: Segelbootbilder der angenehm anderen Art; Pressetext Südkurier 09.04.2008

Es sind nicht die idyllischen Motive mit fein geschnittenen Segelbooten auf spiegelnder Wasserfläche, noch zarte Landschaftskulisse mit weißen Segeln vor ungetrübtem Himmelsblau über dem Bodensee. Bei dem 70-jährigen Arno Dirksen, der erst in späteren Lebensjahren so richtig zur Malerei gefunden hat, sind es expressive Farb- und Formsetzungen mariner Motive, die nicht vordergründige Stimmungen simulieren wollen, sondern es sind Bilder, die ausschnitthaft einen flüchtigen Augenblick skizzieren, bei dem man den Übergang in einen nächsten Zustand zu spüren meint, wie es Hermann Zitzlsperger in seiner Laudatio zur Ausstellungseröffnung von "Farbe,Wasser, Wind und Licht" in "Ultramarin, die Meichle + Mohr Marina" in Kressbronn-Gohren formulierte.
Die Dreiecksform der Segel ist für Arno Dirksen ein fast durchgehendes Grundmotiv, das überblendet, versetzt, durchbrochen, gekrümmt und bei blähenden Winden verbogen vorwiegend die Bildkompositionen bestimmt. Bei betonten Schrägen der Segeltücher kommt durch diagonale Formwiederholung Dynamik in die Acrylbilder. Oft ist die Segelsituation nur Anlass und Ausgangspunkt für abstrakte Flächenorganisation von Dreiecken, die sich fast in kubistischer Weise überlagern, überlappen wie bei "Vor dem Wind" aus dem Jahr 2000, dem frühesten Exponat der Ausstellung.
Diese abstrakten, fast konstruktivistischen Gestaltung hat Dirksen bei UM 4" (Ultramarin Nr.4) leicht aufgebrochen und setzte blaue Dreiecksformen auf gelb vibrierenden Grund, während ein blauer Quaderblock den Vordergrund bildet und so Tiefe im Bild bewirkt. Da bäumen sich bei einer anderen Version vom Bildrand her gewaltige Wellenberge, die sich weiß aufgischtend vor dem weißen Bootskörper brechen. Hinter dem schräg gesetzten Segel vor dunkelblauem Himmel bringen gelbe Farbfetzen Licht in die leicht dramatische Szene. Dabei verschwimmen die Flächen in einer Art Sfumato-Technik ineinander. Nur die Wasserfläche ist realistischer gehalten.
Das führt zu Bildern mit deutlicherem Gegenstandsbezug wie bei "T(R)aum- Zeit" in schickem Hochformat. Hier ist das blaue Segel zu weit ausholendem Bogen aufgebläht, wozu das Vorsegel in steiferer Geradlinigkeit einen Kontrapunkt und dazwischen helles Gelb als Komplementärkontrast Licht in die Komposition fließen lässt. Auch bei weiteren Arbeiten besticht die expressive Malweise, mit der Arno Dirksen dem schönen und gefälligen Bild aus dem Weg geht, wie er selbst in dem ansprechend gestalteten Katalog dazu Stellung nimmt: "Das Schöne, das entstanden ist, muss in Frage gestellt und oft zugunsten des Ganzen geopfert werden, damit Neues aus dem Chaos wachsen kann". Damit entziehen sich seine Bilder auch einer geschönten Darstellung, die dem malerischen Duktus im spontanem Schaffensprozess wie der farblichen Differenzierung Vorrangstellung einräumt. Ganz der Farbe widmete sich Dirksen in " Aufbruch" von 2004 mit starkem Kontrast von Rot und Grün mit zeichenhaften Linien für die kompositorische Klärung, ohne dass deutliche Gegenständlichkeit zutage tritt.
Arno Dirksen, der jetzt in Überlingen wohnt, ist 1938 in Westpreußen geboren. Nach der Schule machte er eine Ausbildung auf dem "Schulschiff Deutschland", was ihn schon als jungen Menschen geprägt und wohl auch dazu gebracht hat, sich maritimen Motiven zu widmen. Ab 1993 beschäftigte sich der ehemalige Lehrer intensiver mit der Bildenden Kunst einmal mit einer Ausbildung an der Europäischen Akademie Trier und später an der Freien Kunstakademie in Mühlhofen. Er strebte von Anfang an keine lineare Entwicklung an, sodass Abstraktionen auf verschiedenen Ebenen neben realistischen Wendungen in seinen Bildern auszumachen sind, die er für bewegte Impressionen aufgreift. Schade, dass neun explizit für diese Ausstellung gemalten Bilder etwas unvorteilhaft für den Betrachter hoch über dem Ultramarin-Fachmarkt gehängt sind.
Franz Josef Lay
Die Ausstellung dauert bis zum 15. September. Öffnungszeiten sind werktags von 8.30 bis 17.30 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr

"T(R)aum-Zeit" von Arno Dirksen
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